Ordnungscoach Rita Schilke im Gespräch mit Paar

Ordnungstypen in Beziehung

Wenn Menschen zusammenziehen, sei es in einer WG oder als Paar, kommt es häufig vor, dass ein ordnungsliebender Mensch auf jemanden trifft, der sich schwer tut mit dem Aufräumen und Ordnung halten. Unterschiedliche Ordnungstypen treffen in einer Beziehung aufeinander. Das erlebe ich in meiner Arbeit fast täglich. Oft dauert es erst einmal eine Weile, bis die Beteiligten merken, auf was sie sich da eingelassen haben. Beziehungsweise merken sie, dass es ganz unterschiedliche Auffassungen von Ordnung und Aufräumen gibt. Dann kann es schon mal zu Konflikten kommen. Folgende Fragen stellen sich:

  • Ist ein Kompromiss möglich?
  • Mit welchen Tricks können die verschiedenen Ordnungstypen mehr entspannen?
  • Wie motiviere ich mich zum Aufräumen?
  • Was mache ich mit dem Chaos der Kinder?

Welche Ordnungstypen gibt es überhaupt?

Worauf es einzelnen Menschen bei der Ordnung besonders ankommt, kann ganz unterschiedlich sein. Prinzipiell lassen sich aus meiner Erfahrung folgende Ordnungstypen unterscheiden:

Der Sicherheitstyp

Einer Person mit großem Sicherheitsbedürfnis kommt es darauf an, alles im Zugriff zu haben, zu wissen, was der Besitz ist und wo er sich befindet. Dann ist es auch wichtig, Daten zu sichern und immer erreichbar zu haben.

Es gibt auch Sicherheitstypen, die sehr gerne Erinnerungsstücke wie alte Unterlagen, Bücher oder Reisemitbringsel aufheben. Sie wollen die Vergangenheit sicher bewahren. Es kann auch sein, dass sie mit erlittenen Verlusten zu kämpfen haben. Nahe Angehörige sind gestorben, deren Dinge aufbewahrt werden. Oder sie hatten durch Vertreibung und Krieg schon einmal alles verloren und halten jetzt an allem fest. Solche Menschen vergessen dabei allerdings, in der Gegenwart zu leben.

Der Minimalist / die Minimalistin

Minimalisten geht es darum, ihr Umfeld möglichst spartanisch einzurichten und zu ordnen. Nichts Überflüssiges steht herum. Sie umgeben sich nur mit dem wirklich Notwendigen. Manche reduzieren dabei sogar ihren gesamten Besitz, so dass ein Tiny-Haus zum Leben reicht.

Der Ästhet / die Ästhetin

Ästheten kommt es v.a. auf eine ansprechende Gestaltung an. Ausgewählte Objekte werden wirkungsvoll arrangiert und bekommen einen besonderen Platz. Der Gesamteindruck ist wichtig. Das Zusammenspiel von Farben und Formen steht im Vordergrund. Auch hier liegt nichts Überflüssiges herum.

Der Offenherzige / die Offenherzige

Die Offenherzige hebt die Bücher, Spielsachen und Kartons der erwachsenen Kinder so lange auf, bis diese sie irgendwann einmal endlich abholen. Oder auch nicht. Bei der Offenherzigen untergestellte Koffer von Freunden nehmen viel Platz weg. Oft denkt sie zu wenig an sich und ihre eigenen Platz- und Ordnungsbedürfnisse.

Der Sammler / die Sammlerin

Der Sammler hängt an seinen oft über Jahre zusammengetragenen Schätzen. Wenn diese einen entsprechenden Platz in der Wohnung finden und angemessen zur Geltung kommen, können Besitzer und Besucher sich daran freuen. Wenn die Sammelleidenschaft aber überhandnimmt und getragen ist von dem Gedanken „Das könnte ich vielleicht noch einmal brauchen“, kann es zu Platzproblemen kommen.

Der Chaot / die Chaotin

Unter Künstlern findet man oft Liebhaber des kreativen Chaos. Sie haben eine ganz eigene Vorstellung von Ordnung. Nahezu jeder Gegenstand kann zu einem neuen Kunstwerk werden oder dafür verwendet werden und wird deshalb aufbewahrt. Die Grenze ist erreicht, wenn auch der Chaot die benötigten Dinge nicht mehr findet.

Gibt es einen Kompromiss zwischen den Ordnungstypen?

Hilfreich ist es, dass die ganze Familie, das Paar oder die WG an einem Tisch zusammenkommt. Alle besprechen gemeinsam, was für sie Ordnung bedeutet, wie sie es gerne hätten und was sie bereit sind, dafür zu tun. Im Zentrum stehen dabei zunächst die gemeinsam genutzten Räume wie Flur, Küche oder Bad.

Im Anschluss daran, empfehle ich einen Plan zu machen. Dieser enthält, was grundsätzlich im Haushalt zu erledigen ist (Spülmaschine ein- und ausräumen, Müll rausbringen, in bestimmten Abständen staubsaugen) und wer welche Aufgaben übernehmen könnte. Gern unterstütze ich als Ordnungscoach bei diesem Gespräch und dem Aufstellen etwa eines Wochenplans. Das kann dann richtig Spaß machen.

Wenn alle am Entscheidungsprozess beteiligt sind, werden auch alle evtl. Neuerungen und die Aufgabenverteilung leichter akzeptieren und den Plan unterstützen.

Als Richtlinien für so ein gemeinsames Gespräch finde ich die Grundsätze der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg sehr hilfreich. Er plädiert dafür, ein Gespräch bei Interessengegensätzen unterschiedlichster Art in vier Schritten zu führen:

  1. Beobachten, ohne zu bewerten
  2. Wahrnehmen der eigenen Gefühle
  3. Erkennen der zugrunde liegenden Bedürfnisse
  4. Formulierung einer Bitte

Auf unterschiedliche Bedürfnisse nach Ordnung lässt sich das wunderbar anwenden, z.B.

  1. Ich beobachte, dass Du das Geschirr nach dem Essen nicht gleich abspülst bzw. in die Spülmaschine räumst.
  2. Ich merke, dass mir das nicht gefällt.
  3. Mir ist eine saubere Küche wichtig, wenn ich in die Küche komme und die nächste Mahlzeit zubereiten möchte.
  4. Wärst Du bereit, nach dem Kochen das benutzte Geschirr abzuspülen bzw. in die Spülmaschine einzuräumen?

Durch offenes, empathisches Gespräch zu mehr Ordnung und Lebensqualität in der Familie.

Wichtig ist, dass bei so einem Gespräch jeder und jede zu Wort kommt, also auch die Kinder. Das Bedürfnis nach Leichtigkeit und Unbeschwertheit kann auch genannt werden, ohne dass immer gleich aufgeräumt wird.

Bei meinen Kunden rege ich an, Verständnis (Empathie) füreinander zu haben, was die gemeinsamen Räume betrifft. Zugleich ist es wichtig, dass jede/r eigene Bereiche hat, in denen er seine Ordnung bzw. sein Chaos nach Herzenslust ausleben kann.

Wie lerne ich Ordnung herzustellen und zu halten?

Mit fünf einfachen Maßnahmen geht Ordnung herstellen und halten ganz leicht. Das gilt für alle Ordnungstypen:

  1. Ein klares Ziel vornehmen: Wie soll es nach dem Aufräumen aussehen? Was möchte ich erreichen?
  2. Plan machen: Wie will ich das Ziel erreichen?
  3. Voraussetzungen schaffen: Damit jemand eine schöne Ordnung herstellt, braucht er oder sie zum Beispiel genügend Platz in Schränken und Regalen. Deshalb stehen vor dem Aufräumen immer das Aussortieren und Entsorgen. Indem ich mich dabei davon verabschiede, dass alles perfekt sein muss, erhöhe ich meine Motivation beim Aufräumen.
  4. Rahmenbedingungen setzen: Eine geeignete Rahmenbedingung ist zum Beispiel, wenn ich mir einen bestimmten Zeitraum fürs Aufräumen reserviere. Oder ich lege meine Lieblingsmusik auf. Mit meinen Kundinnen und Kunden arbeite ich meistens drei Stunden am Stück. Da können sich die Ergebnisse sehen lassen. Das Aufräumen wird nicht zu anstrengend.
  5. Regelmäßige Routinen verstärken die Motivation. Eine halbe Stunde Aufräumen morgens nach dem Frühstück hilft zum Beispiel dabei, eine Grundordnung herzustellen und zu erhalten.

Wichtig ist, sich nach dem Aufräumen eine gemeinsame Belohnung zu gönnen. Das motiviert sehr und verbindet. Außerdem mache ich immer wieder gute Erfahrung damit, gemeinsam aufzuräumen. Also zum Beispiel einen Freund oder eine Freundin einladen, Lieblingsmusik auswählen und los geht’s. Hinterher dann gemeinsam die Belohnung genießen.

Einfache Maßnahmen helfen jedem Ordnungstyp.

 

Was mache ich mit dem Chaos der Kinder?

Das Beste, was Eltern tun können, ist, zusammen mit den Kindern regelmäßig aufzuräumen. So lernen Kinder, dass es nur ein paar, wenige Handgriffe braucht, Plüschtiere und Bausteine an ihrem Platz zu räumen. Dann ist wieder Raum für ein neues Spiel. Mit der Zeit können Kinder zunehmend Aufräumarbeiten selbst übernehmen. Gerade die Kleinen sind ganz stolz über das, was sie schon selbständig tun können.

Aufräumen bei einem Sammler

 

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