Demenzfreundlich aufräumen

Demenzfreundlich aufräumen

Wenn sich bei einem Angehörigen Demenz zeigt, ist das in mehrfacher Hinsicht eine besondere Herausforderung. Als Angehöriger können Sie für das Wohlbefinden einer Person eine Menge tun durch demenzfreundliches Aufräumen.

Ein demenzfreundlich gestaltetes Zuhause schützt nämlich die Würde eines Menschen und reduziert Stress. Dadurch verlängern Sie wirksam die Phase der Selbständigkeit.

In diesem Beitrag zeige ich konkrete und respektvolle Maßnahmen, wie Sie demenzfreundlich aufräumen und umgestalten — praxisnah und leicht umsetzbar. Dafür greife ich auf meine jahrelange Berufserfahrung mit unterschiedlichen Menschen, auch Demenzkranken, zurück.

Warum ist demenzfreundliches Aufräumen so wichtig?

Vielleicht kennen Sie das auch: als Angehörige/r fühlen Sie sich beim Aufräumen sehr unsicher: Was soll bleiben? Was soll ich entfernen? Wie entscheide ich für meinen Angehörigen respektvoll?
Ziel beim demenzfreundlichen Aufräumen ist es nicht, alles radikal zu entrümpeln.

Foto: AC Rita Schilke beim Frühjahrsputz für den Schreibtisch

Ein demenzfreundlich aufgeräumter Nachttisch bietet Orientierung und Vertrautes

Sondern es geht darum, für den Demenzkranken ein Umfeld zu schaffen, das ihm / ihr Orientierung, Sicherheit und Vertrautheit gibt. Kleine Veränderungen können Sturzrisiken senken, Verwirrung reduzieren und Alltagshandlungen erleichtern.

Was sind die Grundprinzipien für demenfreundliche Räume?

Aus der Arbeit mit Demenzkranken weiß ich, worauf es beim demenzfreundlichen Aufräumen ankommt. Es gibt also einige Grundprinzipien:

  • Sichtbarkeit: Wichtige Gegenstände sollten leicht zu sehen und zu erreichen sein.
  • Konsistenz: Feste Plätze für Alltagsgegenstände schaffen Orientierung.
  • Sicherheit: Stolperfallen sollten beseitigt werden. Bodenflächen sind rutschfest, ggf. mit Schwellenrampen für Rollator oder Rollstuhl. Die Beleuchtung ist ausreichend hell.
  • Vertrautheit: Persönliche Erinnerungsstücke vermitteln Vertrautheit. So erscheinen Räume nicht fremd.
  • Respekt: Ich plädiere immer dafür, Entscheidungen so weit wie möglich, mit dem Betroffenen gemeinsam zu treffen.

Wie sehen konkrete Maßnahmen für demenzfreundliches Aufräumen aus?

Eingangsbereich und Wege

Sorgen Sie für frei Wege. Verstauen Sie im Flur Schuhe, Schirme und Taschen so, dass Laufwege klar bleiben. Schaffen Sie Kontraste. Machen Sie Türschwellen, Teppichkanten oder Stufen mit kontrastreichen Markierungen sichtbar. Installieren Sie Bewegungsmelder oder Nachtlichter für nächtliche Orientierung.

Wohnzimmer und Aufenthaltsbereiche

Hier ist weniger mehr. Verringern Sie also im Wohnzimmer die Dekoration und schaffen Sie klare Flächen. Damit reduzieren Sie die Reizüberflutung. Platzieren Sie häufig genutzte Dinge (wie Fernbedienung, Lesebrille, Wasserglas) in Reichweite des Sitzplatzes. Richten Sie eine persönliche Erinnerungszone ein. Das ist zum Beispiel eine kleine, gut sichtbare Fläche mit Fotos oder vertrauten Gegenständen. So etwas dient der Identitätsstärkung.

Küche und Essbereich

Funktion und Sicherheit sind in Küche und Essbereich besonders wichtig. Tassen, Teller und Besteck ordnen Sie funktional nach ihrer jeweiligen Nutzungshäufigkeit an. Schwere Gegenstände räumen Sie unten ein, leichte oben. Sorgen Sie für eine sichere Aufbewahrung von scharfen Messern. Verstauen Sie gefährliche Reinigungsmittel verschlossen außer Reichweite. Versehen Sie Schubladen und Schränke mit großen, gut lesbaren bzw. erkennbaren Labels (wie Texte, Symbole oder Fotos) und sorgen Sie so für eindeutige Beschriftungen.

Schlafzimmer und Bad

In Schlafzimmer und Bad hilft es sehr, wenn Sie für klare Abläufe und Sicherheit sorgen. Kleidung sortieren Sie nach Tageszeiten (z. B. „Morgen“, „Abend“). Badematten müssen mit einer rutschfesten Unterlage versehen sein. In Toilette und Bad unterstützen Haltegriffe. Sorgen Sie für eine nicht blendend Nachtbeleuchtung, etwa entlang des Weges vom Schlafzimmer zur Toilette.

Wie gehen Sie mit Gegenständen und Erinnerungen um?

Wenn Sie demenzfreundlich aufräumen, ist es sehr wichtig, dass Sie mit der betroffenen Person gemeinsam ausmisten. Treffen Sie Entscheidungen zusammen und stellen Sie dabei Fragen wie: „Wofür brauchst Du das?“ anstatt nur zu konstatieren „Das muss weg.“ Statt alles auf einmal zu entfernen, gehen Sie besser schrittweise vor und beobachten Sie, wie die betroffene Person reagiert. Damit schaffen Sie eine sanfte Reduktion. Richten Sie für Erinnerungsstücke wie Fotos oder Briefe, die nicht ständig sichtbar sein aber schnell zugänglich bleiben sollen, Erinnerungsboxen ein.

Und ganz wichtig: Unterlagen (wie Versicherungen, Arztinfos, Vorsorgedokumente) sammeln Sie an einem festen, beschrifteten Ort.

Welche Techniken und Hilfsmittel gibt es für demenzfreundliches Aufräumen?

Große Uhren, gut lesbare Kalender und farbige Markierungen geben wichtige Orientierungshilfen. Sturzmelder und einfache Telefon‑ oder Notruflösungen für einen Hausnotruf werden von mehreren Organisationen angeboten. Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob die Person damit zurechtkommt. Die einfache Beschilderung von Türen, Schränken und Schubladen mit klaren Symbolen oder Fotos habe ich schon erwähnt.

Prüfen Sie außerdem, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Die Kosten für manche Hilfsmittel werden von Pflegekassen oder Kommunen übernommen.

Meine 5‑Schritte‑Checkliste

  1. Wege freimachen: Alle Stolperfallen entfernen; Teppiche sichern.
  2. Licht prüfen: Hauptwege und Nachtwege mit ausreichender, blendfreier Beleuchtung versehen.
  3. Feste Plätze schaffen: Alltagsgegenstände an klaren, beschrifteten Orten platzieren.
  4. Persönliche Zone: Eine kleine Erinnerungsfläche einrichten; keine Überfrachtung.
  5. Sicherheitscheck: Scharfe Gegenstände, Medikamente und Reinigungsmittel sichern; Hilfsmittel prüfen.

Mein Mini‑Projekt: Ein Zimmer demenzfreundlich aufräumen

  1. Beobachten (15–30 Minuten): Notieren Sie, welche Wege Ihr Angehöriger / Ihre Angehörige nutzt und welche Gegenstände er / sie oft sucht.
  2. Ausmisten (30–60 Minuten): Entfernen Sie alle unnötigen Gegenstände. Lassen Sie nur das Nötigste sichtbar stehen bzw. liegen.
  3. Neu anordnen (30 Minuten): Platzieren Sie häufig genutzte Dinge in Reichweite und bringen Sie Beschriftungen an.
  4. Testlauf (1 Woche): Beobachten Sie, wie sich die neue Ordnung auf Ihren Angehörigen / Ihre Angehörige auswirkt. Passen Sie Ihre Maßnahmen an, wo nötig. Beziehen Sie die betroffene Person immer mit ein und auch den Pflegedienst bzw. die mit der Sorge betraute Person.

Ich bringe viel Erfahrung mit als Aufräumcoach und für demenzfreundliches Aufräumen und unterstütze Sie gerne bei dieser besonderen Aufgabe.

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